Eine Generation meldet sich zu Wort – Shell Jugendstudie 2019

Unter der Überschrift “Eine Generation meldet sich zu Wort” wurde am 15. Oktober 2019 in Berlin die 18. Shell Jugendstudie vorgestellt.

Die Shell-Studie zeichnet nach, auf welche Weise junge Menschen mit Herausforderungen umgehen und welche Verhaltensweisen, Einstellungen und Mentalitäten sie dabei herausbilden. Die aktuelle Shell-Studie untersucht zudem, unter welchen politischen und sozialen Bedingungen Jugendliche heute aufwachsen. Damit präsentiert die Studie nicht ausschließlich eine Sicht auf Jugend, sondern gibt darüber hinaus auch gesellschaftspolitische Denkanstöße.

Ängste und Sorgen

Fast drei von vier Jugendlichen nennen Angst vor Umweltverschmutzung (75%) als größten Angstbereiter, gefolgt von der Angst vor Terroranschlägen (66%) sowie dem Klimawandel (65%). Mehr als die Hälfte der Jugendlichen (56%) hat Angst vor einer wachsenden Feindlichkeit zwischen Menschen, die unterschiedlicher Meinung sind. Den Autoren der Studie zufolge könnte dieser Aspekt auch auf eine Polarisierung der Gesellschaft hindeuten.

Jugendliche haben zudem häufiger Angst vor einer wachsenden Ausländerfeindlichkeit (52%) als Angst vor Zuwanderung (33%). Allerdings spricht sich jede*r zweite dafür aus weniger Zuwanderer aufzunehmen als bisher (Westen 47%; Osten 55%). Dieser Meinung waren in der letzen Shell-Studie von 2015 etwas mehr als jede*r dritte Befragte.

Bildquelle: https://www.dw.com/de/shell-jugendstudie-deutsche-jugend-zwischen-klimaschutz-und-populismus/a-50842590

Soziale Gerechtigkeit und Bildungserfolg

Alles in allem geht es in Deutschland gerecht zu. Allerdings verweist etwa jede*r zweite Jugendliche aus der untersten Herkunftsschicht auf fehlende soziale Gerechtigkeit, während aus der obersten Schicht nur noch 25% diese Einschätzung teilen.

Nach wie vor besteht ein starker Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Bei Jugendlichen aus bildungsfernen Elternhäusern ist es nur halb so wahrscheinlich, dass sie das Abitur schaffen (39%), wie bei Jugendlichen aus bildungsnahen Elternhäusern (81%). Allerdings streben bzw. erreichen Jugendliche aus bildungsfernen Schichten mit 39% deutlich häufiger das Abitur als noch 2009 (26%).

EU

Jede*r zweite Jugendliche beurteilt die EU positiv (43%) bis sehr positiv (7%). Die Jugendlichen verbinden mit der EU vor allem die Möglichkeit in andere europäische Länder zu reisen, dort studieren, arbeiten bzw. leben zu können. Die wichtigste Errungenschaft stellt ein Europa ohne Grenzen dar. Vier von Fünf Jugendliche betonen, dass die EU für Frieden und Demokratie steht.

Populismus

Der Populismusdebatte findet auch in der 18. Shell-Studie ihren Platz. Die Autoren fassen die Aussagen der Jugendlichen in fünf unterschiedlichen Kategorien zusammen,

  • die Kosmopoliten (12%)
    • Ablehnung so gut wie aller populistisch gefärbten Aussagen,
    • Zustimmung zu Aufnahme von hoher Anzahl an Geflüchteten,
  • die Weltoffenen (27%)
    • Distanzierung von sozial- und nationalpopulistisch gefärbten Aussagen,
    • begrüßen Aufnahme von Geflüchteten,
  • die Nicht-eindeutig-Positionierten (28%)
    • Zuspruch zu Aufnahme von Geflüchteten,
    • zugänglich für populistisch gefärbte Aussagen,
  • die Populismus-Geneigten (24%)
    • Zustimmung zur Höhe der Aufnahme von Geflüchteten nur noch bei jedem dritten
    • fast durchgängige Zustimmung zu populistischen Aussagen,
  • die Nationalpopulisten (9%)
    • stimmen allen populistisch aufgeladenen Statements zu,
    • Distanzierung von Flüchtlingsaufnahme, generell ablehnende Haltung Vielfalt gegenüber.

Je höher die Bildungsposition, desto geringer ist die Affinität zum Populismus. So gehören von den Jugendlichen mit höheren Bildungspositionen jede*r zweite zu den Weltoffenen oder den Kosmopoliten, während es bei den Jugendlichen mit niedriger Bildungsposition entgegengesetzt ist: Fast jede*r zweite gehört zu den Populismus-Geneigten oder den Nationalpopulisten. Bei den Jugendlichen im Osten ist die Populismusaffinität zudem etwas höher ausgeprägt.

Zukunft

Der Einteil der optimistisch in die Zukunft blickender Jugendlicher (58%) hat sich gegenüber 2015 (61%) leicht verringert und der seit 2006 beobachtete Trend zum Optimismus hat sich nicht fortgesetzt, während das Niveau aber ähnlich hoch bleibt. Lediglich (und das ist bemerkenswert) Jugendliche aus der sozial schwächsten Schicht sind optimistischer geworden.

Wertorientierung

Familie und soziale Beziehungen sind die mit Abstand wichtigsten Wertorientierungen, die so gut wie alle Jugendlichen für sich gewährleistet sehen. Familie stellt noch immer den “sicheren Heimathafen” dar, der jungen Menschen Halt und Unterstützung gibt.

Die Betonung des Lebensgenusses unterstreicht die Bedeutung, die Jugendliche der eigenen Teilhabe beimessen. Denn maßgeblich ist für viele Jugendliche an den diversen Angeboten der Gesellschaft zu partizipieren.

Glaube und die Bedeutung der Kirche

Für die Jugendlichen der beiden großen Kirchen in Deutschland hat der Glaube in den letzten 20 Jahren erheblich an Bedeutung verloren: Nur für 39% der katholischen und 24% der evangelischen Jugendlichen ist der Glaube wichtig. Bei den muslimischen Jugendlichen hingegen ist der Glaube für 73% wichtig.

Quelle: https://www.shell.de/ueber-uns/shell-jugendstudie/alle-schaubilder-und-grafiken.html

Die Institution Kirche wird von mehr als einem Drittel aller Jugendlichen positiv gesehen: 69% finden es gut, dass es die Kirche gibt (75% der katholischen, 79% der evangelischen und sogar 45% der konfessionslosen Jugendlichen).

Über die Schell Studie

Die 18. Shell Studie wurde von Prof. Dr. Mathias Albert (Leitung, Universität Bielefeld), Prof. Dr. Gudrun Quenzel (Universität Vorarlberg), Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (Hertie School of Governance), sowie einem Expertenteam des Münchner Forschungsinstituts Kantar um Ulrich Schneekloth im Auftrag der Deutschen Shell verfasst. Das Unternehmen finanziert die Jugendstudie bereits seit 1953. „Mit diesem Engagement für die Jugendforschung untermauern wir nicht zuletzt unsere Bereitschaft, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen“, sagt der Vorsitzende der Deutsche Shell Holding GmbH, Dr. Thomas Zengerly.

Die Studie stützt sich auf eine repräsentativ zusammengesetzte Stichprobe von 2.572 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren, die von Kantar-Interviewern zu ihrer Lebenssituation und ihren Einstellungen und Orientierungen persönlich befragt wurden. Die Erhebung fand auf Grundlage eines standardisierten Fragebogens im Zeitraum von Anfang Januar bis Mitte März 2019 statt. Im Rahmen der qualitativen Studie wurden zwei- bis dreistündige Interviews mit 20 Jugendlichen dieser Altersgruppe durchgeführt.

Die Studie ist im Beltz-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich. Weitere Informationen unter: https://www.shell.de/ueber-uns/shell-jugendstudie.html

Außerdem steht eine Zusammenfassung als pdf-Dokument zum Download zur Verfügung. Der Podcast zur Shell Jugendstudie #dieseJugend ist auf allen gängigen Streaming-Plattformen verfügbar.

Quelle Titelbild: www.suedkurier.de